Carl Severing - ein bewegtes Leben

carl severing sCarl Severing wurde am 01. Juni 1875 in Herford geboren. Über seine Herkunft gibt er in seinen Lebenserinnerungen recht drastisch Auskunft: „Bettelkinder erben nichts als des Vaters reinen Namen!“
Von 1889 an erlernte der Ostwestfale das Schlosserhandwerk und ging nach vorzeitig beendeter Lehre auf Wanderschaft. Das politische Denken des Vaters hatte seine Grundhaltung geprägt. Er engagierte sich schon in jungen Jahren aktiv in der Gewerkschaftsbewegung und war von 1901 bis 1912 Gewerkschaftssekretär in Bielefeld. Nebenbei betätigte er sich journalistisch für die gewerkschaftliche und sozialdemokratische Presse. Als Abgeordneter der SPD gehörte er von 1907 bis 1912 dem Deutschen Reichstag an.

Seit 1920 war er mit kleinen Unterbrechungen preußischer Innenminister bis zum Jahre 1926. Außerdem hatte er von 1921 bis 1933 ein Mandat im preußischen Landtag. Er gilt als eine der führenden Persönlichkeiten, die den demokratischen Aufbau der Verwaltung förderten. Vom Juni 1928 bis März 1930 war er Reichsinnenminister, dann von Oktober 1930 bis zum Amtsantritt der Regierung von Papen (20.7.1932) erneut preußischer Innenminister. Von Papen, der Steigbügelhalter Adolf Hitlers, enthob ihn seines Amtes. In der Folgezeit waren seiner politischen Tätigkeit Schranken gesetzt. Erst nach Ende des Zweiten Weltkrieges konnte er wieder im öffentlichen Leben hervortreten.
So leitete er von 1946 bis 1948 als Chefredakteur die "Freie Presse" in Bielefeld und gehörte seit 1947 der SPD-Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen an. Am 23.7.1952 beendete der Tod das Schaffen eines Mannes, der sich „als armer Leute Kind“ aus eigener Kraft vom Schlosserlehrling zum Reichsminister hochgearbeitet hatte.